Berlin - Kurfürstendamm

Vergnügungsboulevard Berlin (West)

Kurfürstendamm

Foto: Kurfürstendamm

Vergnügungsboulevard Berlin (West) Foto: Kurfürstendamm Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf verläuft die wohl bekannteste Straße von Berlin, der Kurfürstendamm. Der Ku’damm, wie er im Volksmund auch genannt wird, erstreckt sich vom Rathausplatz in Grunewald bis zur Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche in Charlottenburg

Die Straße gilt als die beliebteste touristische Einkaufsmeile Westberlins. Vor über 500 Jahren wurde die Straße, die damals noch Dammweg hieß, angelegt, offizieller Geburtstag als Kurfürstendamm ist allerdings der 5. Mai 1886. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich die Straße immer mehr zum Einkaufs- und Vergnügungsboulevard. Durch Orte wie das „Café des Westens/Café Kanzler“ oder dem „Luna Park“ stellte der Kurfürstendamm nicht nur eine starke Konkurrenz für die „Unter den Linden“-Straße, sondern galt auch als Verkörperung der Goldenen Zwanziger Jahre. Im Zweiten Weltkrieg wurde jedoch auch der Ku’damm stark beschädigt und verlor einen Großteil seiner architektonischen und kulturellen Pracht. Während der Teilung Berlins wuchs der neue Kurfürstendamm zum wirtschaftlichen Zentrum von West-Berlin, der City West, und wurde erneut zur beliebten Flaniermeile.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und Berlins bekam der Kurfürstendamm immer mehr Exklusivitätscharakter, mit teuren, neuen Hotels, Luxus-Shops und Cafés. Kulturell hat die berühmte Straße vieles zu bieten, so sind zum Beispiel die „Schaubühne am Lehniner Platz“, die „Komödie am Kurfürstendamm“ und das „Theater am Kurfürstendamm“ dort ansässig. Auch das ehemalige UFA-Kino im „Marmorhaus“ ist immer noch eine beeindruckende Sehenswürdigkeit. In den 1980er Jahren wurde das Kino mit der fünfstöckigen Marmorfassade für seine legendären Double Features bekannt und beliebt. Trotz aufwändiger Renovierung 1998 musste das älteste Kino am Kurfürstendamm 2001 schließen und wurde 2010 für 40 Millionen Euro an eine Kapitalgesellschaft verkauft.

Eine der wohl bedeutendsten Sehenswürdigkeiten am Kurfürstendamm ist aber wohl die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz. Die zweigeteilte Kirche ist sowohl ein Zeugnis klassischer Baukunst als auch ein Mahnmal des Zweiten Weltkrieges. Von der evangelischen Kirche im neoromantischen Stil ist lediglich eine Turmruine übrig geblieben. Ursprünglich besaß die kalksandsteinerne Kirche fünf monumentale Türme, die 113 Meter in die Höhe ragten. Auch im Inneren war die Kirche mit aufwändigen Mosaiken verziert, welche in der heutigen Ruine noch teilweise zu sehen sind. Da die alliierten Siegermächte die Kirche als Sinnbild deutschen Nationalstolzes sahen verweigerten sie den Wiederaufbau und überließen die Überreste dem Zerfall.

Nach einer leidenschaftlich geführten öffentlichen Debatte Ende der 1950er Jahre wurde das Areal nach den Plänen des Architekten Egon Eiermanns neu gestaltet. So blieb der 71 Meter hohe alte Turm als Mahnmal und Erinnerung des Zweiten Weltkrieges erhalten. Daneben wurde ein Ensemble aus vier Teilen errichtet, ein achteckiges Kirchenschiff, ein rechteckiges Foyer, ein sechseckiger Glockenturm und eine rechteckige Kapelle. Die besondere Eigenschaft dieser Bauten sind die aus über 20.000 Glasfenster bestehenden, gerasterten Wände.

Der französische Künstler Gabriel Loire benutzte mehrfarbiges Glas, welches das Licht auf besondere Art bricht und so eine besondere Atmosphäre erzeugt. Tagsüber leuchtet das Kircheninnere in Blautönen, nachts dagegen wirken die Bauten mehrfarbig illuminiert. Im Berliner Volksmund haben die beiden Teile der Kaiser-Wilhelm Gedächtniskirche die Spitznamen „Hohler Zahn“ (alter Teil) als auch „Lippenstift und Puderdose“ (neuer Teil). So hat der Kurfürstendamm auch eine besondere historische und architektonische Bedeutung. 2011 wurde die Straße in einer Umfrage des RBB zur „erstaunlichsten Straße Berlins“ gewählt. (L.K.)

Stadtplan (Karte) Berlin - Kurfürstendamm

Sehenswürdigkeiten

Reiseversicherung ?