Leipzig - Altes Rathaus

Die Grundsteinlegung war bereits am 11.02.1556

Altes Rathaus Leipzig

Altes Rathaus Leipzig

Nervosität herrschte am 5. Mai des Jahres 1723 in der Amtsstube des Rathauses in Leipzig. Johann Sebastian Bach wurde erwartet, um seinen Anstellungsvertrag als Thomaskantor und Musikdirektor der Stadt zu unterschreiben. Doch dieser harrte noch vor dem Gebäude und bewunderte fasziniert dessen beeindruckende Außenfassade. Sein Blick wanderte zum Traufgesims, unter dem ein Schriftzug zu lesen ist, der um das gesamte Bauwerk läuft und womöglich der längste Schriftumzug der Welt ist. Bach nickte anerkennend, betrat das Rathaus und unterzeichnete den Vertrag.

Seit dem Umzug der Stadtverwaltung 1905 in einen Neubau ist das Alte Rathaus nach einer Grundsanierung Sitz des Stadtgeschichtlichen Museums und zieht heutzutage jährlich knapp eine halbe Millionen Besucher an, die in acht „Epochenräumen“ auf den Spuren der Geschichte Leipzigs wandeln, in den Shops im Museum stöbern oder sich im Restaurant im Hause stärken können. Das zweigeschossige Gebäude befindet sich an der Ostseite des Marktes im Zentrum von Leipzig – mit Durchgang zum Naschmarkt - und ist aufgrund seiner imposanten Länge von 90 Metern nicht zu übersehen. Weltberühmt ist die Außenfassade des bedeutendsten Renaissancebauwerks auf deutschem Boden, das mit der asymetrischen Positionierung des achteckigen Rathausturms bewusst die Regeln des sogenannten Golden Schnitts umgesetzt hat. Dieses architektonische Mittel gilt als Inbegriff von Harmonie und Ästhetik.

Leipzig Neues Rathaus

Leipzig Neues Rathaus

Kurfürstlicher Baumeister des ersten Hauses am Platz war der Leipziger Bürgermeister Hieronymus Lotter (1497-1580). Am 11.02.1556 war Grundsteinlegung und durch Umbau des kleinen mittelalterlichen Rathauses sowie einiger anderer Gebäude entstand innerhalb kürzester Zeit das neue Amtshaus. Bürgermeister Lotter berichtete stolz von einer Bauzeit von nur neun Monaten – was möglicherweise aber auch der Grund für die zahlreichen Renovierungsarbeiten in der Folgezeit war.

In der Nacht des 07.10.1992 kam es im Alten Rathaus zu einem kriminellen Akt, denn ein nacktes Mädchen war geraubt worden. Im Rahmen umfassender Sanierungsmaßnahmen in der Zeit von 1906 bis 1909, die zu grundlegenden Veränderungen des Gebäudes geführt hatten, waren auch zwei Zierbrunnen im Durchgang und an der Marktfassade aufgestellt worden: „Badender Knabe“ und „Badendes Mädchen“. Letztere Plastik - ein auf einem Baumstumpf knieendes nacktes Mädchen - wurde Opfer eines Diebstahls und gilt seitdem als verschollen. Eine Originalrekonstruktion findet sich seit dem 02.12.2000 an ihrer Stelle.

Sehenswürdigkeiten bieten sich heute dem Besucher des Wahrzeichens der Bürgerstadt Leipzig mit dem im barocken Stil veränderten, 40 Meter hohen Turm vom Keller bis unters Dach: Folterinstrumente im historischen Gefängnisgewölbe, ein 53 Meter langer Festsaal, der für Kultur- und Konzertveranstaltungen der Stadt genutzt wird, Landschaftszimmer des Spätbarock, Schatzkammer, Ratsstube – in dem das einzige zeitgenössische Porträt Johann Sebastian Bachs hängt.

Stadtplan (Karte) Leipzig - Altes Rathaus

Sehenswürdigkeiten

Reiseversicherung ?