Oschatz – Wüstes Schloss

Mittelalterliche romantische Ruine vor den Toren von Oschatz

Oschatz Wüstes Schloss Osterlant

Oschatz Wüstes Schloss

Das Wüste Schloss gibt eines der größten Rätsel der Stadtgeschichte auf. Die mittelalterliche Ruine ist ein romantisches Ausflugsziel vor den Toren von Oschatz. Doch warum das Schloss einst gebaut wurde, welchen Name es trug, warum es unvollendet blieb und schon nach wenigen Jahrzehnten wieder verlassen wurde – darüber wird immer noch spekuliert. Archäologische Ausgrabungen brachten einige Antworten, aber noch mehr offene Fragen zutage. Heute geben die massiven Mauerreste ein beeindruckendes Bild ab und laden Besucher zum Lustwandeln und Träumen ein.

Die Entstehungsgeschichte des Schlosses konnte bis heute nicht vollständig geklärt werden. Vermutlich ließ der Markgraf Dietrich von Meißen und der Ostmark die Anlage zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbauen. 1991/92 wurden bei Grabungen des Archäologen Reinhard Spehr verbaute Bretter in der Ruine entdeckt. Die Datierung ergab, dass das Holz im Winter 1211/12 geschlagen wurde. So begann der Bau der dreigeschossigen Vierflügelanlage wahrscheinlich um 1211. Doch die Anlage wurde nie nach den ursprünglichen Plänen fertiggestellt. Die Grabung ergab, dass zwei der vier Flügel nicht vollständig realisiert wurden. Spehr konnte jedoch den gesamten Grundriss des Schlosses freigelegen. Die beiden mehr als 9 Meter hohen Mauerreste lassen von der einstigen Pracht nur noch wenig erahnen.

Warum das Schloss nicht wie geplant vollendet wurde, darüber kann die Geschichte ein wenig Aufschluss geben. Im 12. und 13. Jahrhundert wurden im benachbarten Collm Landthinge abgehalten. Das waren Volks- und Gerichtsversammlungen, die unter freiem Himmel stattfanden. Für die Teilnahme an den Thingen ließ sich der Markgraf wahrscheinlich diese Residenz nahe Oschatz bauen. Als nach 1259 keine Landthinge mehr in Collm abgehalten wurden, verlor das Schloss seinen Zweck. Vermutlich wurde es danach nur noch als Jagdschloss genutzt. Angrenzende Wildgehege, die heute noch als Tiergarten bekannt sind, weisen darauf hin.

Bei den Ausgrabungen zu Beginn der 1990er Jahre entdeckte Spehr ein Quellhaus mit einem runden Wasserbecken. Darin wurden Tierknochen und Scherben gefunden, die wichtige Zeugnisse für das Leben im noch bewohnten Schloss sind. Die Scherbenreste stammen aus der Zeit vor 1300 und lassen vermuten, dass die Schlossanlage bereits 90 Jahre nach ihrem Bau wieder aufgegeben wurde. Über Jahrhunderte war das verlassene Schloss den Naturgewalten ausgesetzt. Übrig blieben nur Mauerreste, die von einer längst vergangenen Zeit zeugen. Besucher lassen sich heute von der rauen Schönheit dieses Ortes gefangen nehmen.

Fotos Oschatz – Wüstes Schloss

Stadtplan (Karte) Oschatz - Wüstes Schloss

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